In Lullabee | Bienentagebuch

hmmm – Bienenwachs

 

Mellifera Bienenkiste, Honigernte, Bienenwachs-Ernte, Bienenwachs, wesensgemäße Bienenhaltung
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Nachdem ich im letzten Beitrag von unserer ersten (wenn auch ganz und gar winzigen) Honigernte erzählte,  heute mal eine große Portion Bienenwachs-Schwärmerei.

Bienenwachs ist sowas Feines und Wertvolles (und Heilsames) und aus unserem Alltag & Zuhause nicht mehr wegzudenken. Was wären nur unsere Geburtstage ohne Bienenwachskerzen? Ich mag diese Kerzchen an solchen Tagen nicht mehr missen.

Geburtstagskranz, Grimms, Wendt & Kühn, Blumenkind Schneeglöckchen

Sie leuchten nicht nur an unseren Geburtstagen, sondern auch an allen anderen Festen. Wenn ich den Deckel der Schachtel hebe, in der unser Kerzenvorratsschatz liegt, kann ich es kaum erwarten, bis mir der balsamisch-süßer Bienenwachsduft in die Nase steigt und nach dem Anzünden der Kerzen den ganzen Raum um uns herum erfüllt – Kindheitsgold. Und auch wenn`s nicht gerade schön ist, hustende Kinder mit Schnupfennasen daheim im Bett liegen zu haben – aber ich liebe es sehr, meinen Kindern wohlig-warme Wickel mit Bienenwachs auf die Brust zu legen und selbst gemachtes Hustenbalsam in ihre warme Haut zu streicheln.

Im Bild ganz oben ist ein Gläschen (das mit dem rosa Pünktchen-Deckel) mit frisch gerührter Johanniskraut-Propolis-Heilsalbe zu sehen – auch darin findet sich ein bisschen von unserem ersten eigenen Bienenwachs (auf dem Jahreszeitentablett, das immer auf dem Esstisch steht, liegen übrigens momentan lauter Sachen, die den Sommer über entstanden sind: Wolle, Seide & Leinen, im Juni mit Johanniskraut gefärbt – die feine Heilsalbe, unser erstes Bienenwachsgoldstückchen und Lunaria, die mich sehr an meine Oma erinnert).

Mir bereitet Bienenwachs immer ein ganz sehr wohliges Gefühl und dass es noch wärmer werden würde, hätte ich nicht gedacht, aber seit wir Bienen haben, ist das so.

Jeder kennt wohl diese Bienenwachsplatten, mit denen bestimmt nicht nur wir in der Adventszeit so gerne Kerzen rollen. Lustigerweise dachte ich ja immer, diese Platten würden extra dafür hergestellt, aber so ist es natürlich nicht)

Bienenwachsplatten werden nämlich für Imker gemacht, man bekommt sie passend zum Bienenstock in ganz unterschiedlichen Maßen und Zuschnitten und sie werden eigentlich Mittelwände genannt. Mit Draht werden diese Mittelwände in sogenannte Rähmchen gelötet, die bereits vorgeprägten Zellen müssen die Bienen dann nur noch vervollständigen (im eben verlinkten Wikipedia-Eintrag wird es kurz erklärt). 

Auch wenn wir keine Mittelwände verwenden, so drahten wir unsere Rähmchen dennoch, denn dadurch wird der Naturwabenbau der Bienen stabilisiert

Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten und spannen

Mellifera Einraumbeute, Naturwabenbau, wesensgemäße Bienenhaltung

Mittelwände kommen in der Imkerei seit über 150 Jahren zum Einsatz. Die Zellgrösse ist so vorgegeben, dass die Bienenkönigin ausschließlich (befruchtete) Arbeiterinnen-Eier in die Zellen legen kann, jedoch keine unbefruchteten, aus denen sich Drohnen entwickeln könnten (für die propperen Drohnen müssten die Zimmerchen nämlich etwas geräumiger sein). Das bedeutet: Mit dem Einsatz von Mittelwänden wird ein natürliches Bedürfnis der Bienen beschränkt. Drohnen, also männliche Bienen, sind in der konventionellen Bienenhaltung aus verschiedenen Gründen nicht so gern gesehen, weshalb Drohnenbrut vom Imker/der Imkerin nur eingeschränkt ermöglicht wird: Die Bienen bekommen vorübergehend sogenannte Drohnenrahmen oder Baurahmen (diese dann ohne Mittelwand) eingehängt, wo sie Drohnenzellen errichten können (das wollen sie unbedingt und tun das dann auch). Diese Drohnenbrut wird allerdings noch vor dem Schlupf vernichtet. Das Gute an dieser Methode möchte ich nicht verschweigen: mit der Drohnenbrut werden auch viele Varroen abgetötet, die vermehren sich nämlich gerne (aber nicht nur) in den Zellen, in denen Drohnen heranwachsen. In der wesensgemäßen (und demeter-) Bienenhaltung wird diese Maßnahme trotzdem nicht toleriert! Ihr seht, es gibt große Unterschiede in der Bienenhaltung, so ist es in der konventionellen Imkerei z.B. erlaubt, die Flügel der Königin zu beschneiden und sie darf zudem künstliche besamt werden. Bioland erlaubt im Gegensatz zu demeter auch Mittelwände im Brutraum und Königinnen-Absperrgitter zum Honigraum hin, was beides in der wesensgemäßen (demeter-) Bienenhaltung nicht erlaubt ist:

Demeter Imker Günter Friedmann:

In der artgerechten Bienenhaltung ist das natürliche Leben des Bienenvolkes Vorbild und Maßstab des jeweiligen imkerlichen Handelns. Die Betriebsweisen sollen so gestaltet sein, dass die Bienen soweit als möglich gemäß ihrer natürlichen Instinkte und Lebensweisen leben können. Alle Eingriffe und Maßnahmen, die den natürlichen Lebensäußerungen zuwiderlaufen, verursachen Stress und schwächen letztlich den lebendigen Organismus. In diesem Zusammenhang ist daher der Einsatz von Mittelwänden als nicht artgerecht zu beurteilen

Seit ich mich immer und immer wieder neugierig mit dem Wesen der Bienen beschäftige, weiß ich, dass ich unseren Bienenvölkern diese elementaren Bedürfnisse keinesfalls verwehren möchte – der Naturwabenbau ist ein essentieller Teil des Bienenkörpers und viel mehr, als einfach nur Speicher für Brut und Vorräte.
Mittelwände sind in der wesensgemäßen, bzw. demeter-Imkerei im Brutraum jedenfalls aus mehreren (guten) Gründen tabu, erlaubt sind sie nur im Honigraum, aus dem die mit Honig gefüllten Waben zur Ernte entnommen werden und damit nicht im Bienenvolk verbleiben.
P.S. Mittelwände können übrigens mit Pestiziden belastet sein – selbst mit DDT, obwohl dieses in Deutschland seit fast 50 Jahren verboten ist!


Auszug aus den demeter-Richtlinien:

Natürlicherweise ist das Brutnest eine geschlossene Einheit. Über den Bau von Naturwaben müssen Waben und Brut gemäß dem Entwicklungsverlauf des Bienenvolkes wachsen können… Absperrgitter als systematischer Bestandteil der Betriebsweise sind nicht erlaubt… Die Gabe von Mittelwänden ist nur im Honigraum erlaubt. Es ist anzustreben, auch hier auf Mittelwände zu verzichten…


Ich bin jedenfalls ganz glückselig über unsere kleinefeine Bienenwachs-Ernte und was aus den Waben wurde, zeige ich in dieser Bildergeschichte:
Wir füllten (wie in einem meiner Bienenbücher beschrieben) einen großen Topf (dem größten, den wir fanden) mit Wasser, schnitten die leeren Waben in handliche Stücke und gaben sie zum Wasser in den Topf. Das Ganze wurde erhitzt, das Bienenwachs schmolz darin (es schmilzt bei ca. 62-65 °C) und erfüllte das ganze Haus bis in den letzten Winkel mit honigsüßem Duft

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Das geschmolzene Bienenwachs setzt sich beim Erhitzen des Wassers an dessen Oberfläche ab, wo es anschließend langsam erkalten sollte (bei 35 °C Sommerhitze an diesem Tag war Langsamkeit kein Problem). Übrig blieb eine Art Wachskuchen, der sich nach dem Abkühlen als festes Stück aus dem Topf heraus nehmen ließ. Auf dem Bild unten ist unser Wachskuchen, der unglaublich intensiv duftete, zu sehen. Ich kann es kaum beschreiben, er roch süß-würzig und auch ein bisschen fruchtig – seltsamerweise nach einer Mischung aus Apfel, Zimt & Honig. Unser Wachskuchen brach nach dem Herausnehmen auseinander, weshalb ich praktischerweise Ober- und Unterseite in einem einzigen Bild zeigen kann. Links im Bild ist der untere Teil zu sehen, wo sich beim Abkühlen allerlei Schmutzteilchen absetzten. Das rechte kleinere Stück zeigt die obere Seite, auf der viele kleine Häutchen zu erkennen sind, die aus den bebrüteten Wabenbereichen stammen (bei jedem Schlupf einer Biene bleibt nämlich ein dünnes Häutchen in der Zelle zurück)

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Die krümeligen Schmutzteilchen an der Unterseite haften nur locker und lassen sich ganz einfach mit dem Stockmeißel abschaben – das übernahmen meine Buben und diese Arbeit war ganz nach ihrem Sinn

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Den Wachsblock schmolzen wir noch ein zweites Mal ein, jedoch ohne Zugabe von Wasser. Das flüssige Bienenwachs filterte ich anschließend durch ein sehr feines Baumwolltuch in einen kleinen Emailletopf. Im Filtertuch blieben die Häutchen, Blütenstaub-Reste und andere Schwebeteilchen zurück, unten floss geklärtes goldenes Bienenwachs heraus

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Das noch flüssige Bienenwachs goss ich anschließend in Förmchen zu Goldbarren

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Auf den beiden Bildern ist das Bienenwachs noch nicht ganz abgekühlt und deshalb (vor allem in der Mitte) noch so milchig-hell

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Einen Teil dieser wunderschönen Goldbarren schmolz ich wenige Tage später nochmal ein und goss das Bienenwachs in hübsche Wabenformen.

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Für`s nächste Mal werde ich mir wohl einen Wachsschmelztopf oder sogar einen Sonnenwachsschmelzer gönnen – für den Anfang klappte diese einfache und kostengünstige Methode aber besser als gedacht.

Im letzten Blogbeitrag erzählte ich, dass frisch geschwitztes Bienenwachs anfangs strahlend weiß ist -sonnig gelb und aromatisch duftend wird es erst durch Einlagerung von Honig, Propolis und Pollen. Könnt ihr euch vorstellen, dass die Bienen ca. 6 kg Honig verbrauchen, um 1 kg Bienenwachs zu produzieren?

Ob ich aus unserem kostbaren ersten Bienenwachs mit den Kindern Kerzen gießen oder ziehen werde, wie eigentlich gedacht? Ich bin mir da jetzt nicht mehr so sicher… Mit gekauftem Bienenwachs vom Bio-Imker (der allerdings eine dreistellige Anzahl an Bienenvölkern und damit weitaus mehr Bienenwachs hat) gossen wir letztes Jahr diese kleinen Bienenkorb-Kerzchen und verschenkten sie zu Weihnachten. Wahrscheinlich werde ich unser eigenes Bienenwachs größtenteils in mein Hustenbalsam rühren (und das ein oder andere Goldstückchen vielleicht sogar verschenken).

Bienenwachskerze Bienenkorb

Ich weiß, dass den allerallerallermeisten Imkern/Imkerinnen das Wohl ihrer Bienenvölker sehr am Herzen liegt, selbst wenn ein möglichst hoher Honigertrag angestrebt wird (manchmal trägt der Erlös vielleicht sogar zum Lebensunterhalt bei, bzw. gibt es natürlich auch Haupterwerbs-Imker, die auf eine ordentliche Honigernte angewiesen sind, weil es die einzige Einnahmequelle ist).
Bienen werden hauptsächlich als Nutztier gehalten (auch von den meisten Hobby-Imkern/Hobby-Imkerinnen), die Art ihrer Haltung ist vergleichbar mit der anderer Nutztiere (wie überall gibt es jedoch unterschiedliche Formen – artgerechtere und weniger artgerechte).

In Bezug auf Bienenvölkern fragt man eher selten nach der Haltungsform. Ich selbst dachte früher ja ganz blauäugig, dass man Bienen, wild und ungezähmt wie sie noch immer sind, gar nicht erst so sehr manipulieren können würde, wie wir Menschen es mit anderen Nutztieren tun. Heute weiß ich, dass in der Regel auch bei den Bienen kaum auf ihre wesentlichen Bedürfnisse geachtet wird – manche Imker*innen kennen diese nicht einmal und hinterfragen die Betriebsweise deshalb vielleicht auch nicht. Ein Bienenvolk kann ganz nach Lust und Laune und Bedarf des Imkers/der Imkerin wie ein Baukasten auseinander genommen und zusammen gesetzt werden. In gängigen Imker-Schulungen wird seit Jahrzehnten vermittelt, wie ein Bienenvolk dazu gebracht wird, möglich viel Honig zu produzieren, ohne jedoch zu bedenken, wie man Bienen möglichst artgerecht halten kann. Wild lebende Honigbienen-Völker sind in Deutschland selten (unsere bewirtschafteten Wälder sind viel zu aufgeräumt, Bienen finden deshalb kaum noch bewohnbare Baumhöhlen). Manchmal entwischen den Imkern jedoch ungewollt Schwärme, obwohl die konventionelle Imkerei versucht, dieses Grundbedürfnis zu unterdrücken, schafft es doch das ein oder andere Volk, seinem Trieb zu folgen. Mit viel Glück finden die Bienen bei ihrer ausgeklügelten Suche eine leere Baumhöhle (ohne menschliche Hilfe überleben solche Bienenvölker heutzutage leider in den wenigsten Fällen, auf der anderen Seite fügen wir Menschen den Bienen maßlos Schaden zu).
Auch in einer wesensgemäßen Bienenhaltung leben die Bienen selten, wie sie es wohl vorziehen würden, in luftiger Höhe in Baumhöhlen, sondern meist hüfthoch in praktischen Bienenkästen, an denen der Imker/die Imkerin gut arbeiten kann. Aber wir haben noch immer die Möglichkeit, den Bienen achtsam zu begegnen und zumindest ihre wesentlichen Bedürfnisse zu respektieren.

Ich glaube, ich hab` inzwischen eine richtige Liebschaft mit unseren Bienen, ihr Dasein fasziniert mich unglaublich, auch wenn mich eine gewisse Ambivalenz immer ein klein wenig hin und her schaukeln lässt, denn ein kleines Fünkchen Scheu vor den Bienen wollte noch nicht so ganz verfliegen, was wohl daher rührt, dass ich leider mit sehr heftigen Schwellungen auf Bienenstiche reagiere: ein Stich in die Zehspitze und die Schwellung reicht bis hoch zu den Waden. Ein Imkerkollege meinte neulich (ganz ernsthaft), nach 100 Stichen könnte es besser werden. Hej, also nur noch 96…
Ist es nicht erstaunlich, dass diese kleinen Bienchen sogar einen großen Bären vertreiben könnten, wenn sie sich nur zusammen tun? Man ist also gut beraten, erst einmal zu sich selbst zu kommen, bevor man sich in achtsamer Weise den Bienen nähert.

Lieben Dank an alle, die bis hier durchhielten und auch für die Zuschriften zum letzten Bienentagebuchbeitrag, bzw. den sehr netten Emailaustausch, der sich immer wieder ergibt. Ich freue mich wirklich sehr über eure Fragen, die ich immer mal wieder zu lesen bekomme und (so auch hier und heute) zu beantworten versuche (wer Fragen hat: ich versuche gerne, sie zu beantworten, auch wenn ich längst nicht alles weiß und noch sehr, sehr viel über und vor allem von den Bienen lernen muss).

Und ich werde nicht müde, jedem, der sich für Bienen interessiert zu empfehlen, sich bei Mellifera e.V zu informieren (nicht nur angehende Neu-Imker*innen, sondern auch all die, die bereits imkern, es lohnt sich).
Falls jemand an Buch-Tipps interessiert ist, könnte ich eine Sammlung meiner bisherigen Lieblingsbücher zum Thema Bienen zusammenstellen (es gibt auch einige sehr kurzweilige Bücher, die ganz allgemein schön zu lesen sind, auch wenn man selbst keine Bienen halten möchte.

Habt schöne Spätsommertage (wir haben noch eine ganze Woche Ferien),

Michèle

Amselle

*Dieser Blogbeitrag enthält Verknüpfungen (dunkel hervor gehobene Textstellen – durch einen Klick wird man weiter geleitet). Erwähnungen, persönliche Empfehlungen & Verknüpfungen in diesem Blogbeitrag sind freiwillig und beinhalten weder beauftragte noch honorierte Werbung

 

In Bezug auf Bienenvölkern fragt man eher selten nach der Haltungsform. Ich selbst dachte früher ja ganz blauäugig, dass man Bienen, wild und ungezähmt wie sie noch immer sind, gar nicht erst so sehr manipulieren können würde, wie wir Menschen es mit anderen Nutztieren tun. Heute weiß ich, dass in der Regel auch bei den Bienen kaum auf ihre wesentlichen Bedürfnisse geachtet wird – manche Imker*innen kennen diese nicht einmal und hinterfragen die Betriebsweise deshalb vielleicht auch nicht. Ein Bienenvolk kann ganz nach Lust und Laune und Bedarf des Imkers/der Imkerin wie ein Baukasten auseinander genommen und zusammen gesetzt werden. In gängigen Imker-Schulungen wird seit Jahrzehnten vermittelt, wie ein Bienenvolk dazu gebracht wird, möglich viel Honig zu produzieren, ohne jedoch zu bedenken, wie man Bienen möglichst artgerecht halten kann. Wild lebende Honigbienen-Völker sind in Deutschland selten (unsere bewirtschafteten Wälder sind viel zu aufgeräumt, Bienen finden deshalb kaum noch bewohnbare Baumhöhlen). Manchmal entwischen den Imkern jedoch ungewollt Schwärme, obwohl die konventionelle Imkerei versucht, dieses Grundbedürfnis zu unterdrücken, schafft es doch das ein oder andere Volk, seinem Trieb zu folgen. Mit viel Glück finden die Bienen bei ihrer ausgeklügelten Suche eine leere Baumhöhle (ohne menschliche Hilfe überleben solche Bienenvölker heutzutage leider in den wenigsten Fällen, auf der anderen Seite fügen wir Menschen den Bienen maßlos Schaden zu).
Auch in einer wesensgemäßen Bienenhaltung leben die Bienen selten, wie sie es wohl vorziehen würden, in luftiger Höhe in Baumhöhlen, sondern meist hüfthoch in praktischen Bienenkästen, an denen der Imker/die Imkerin gut arbeiten kann. Aber wir haben noch immer die Möglichkeit, den Bienen achtsam zu begegnen und zumindest ihre wesentlichen Bedürfnisse zu respektieren.

Ich glaube, ich hab` inzwischen eine richtige Liebschaft mit unseren Bienen, ihr Dasein fasziniert mich unglaublich, auch wenn mich eine gewisse Ambivalenz immer ein klein wenig hin und her schaukeln lässt, denn ein kleines Fünkchen Scheu vor den Bienen wollte noch nicht so ganz verfliegen, was wohl daher rührt, dass ich leider mit sehr heftigen Schwellungen auf Bienenstiche reagiere: ein Stich in die Zehspitze und die Schwellung reicht bis hoch zu den Waden. Ein Imkerkollege meinte neulich (ganz ernsthaft), nach 100 Stichen könnte es besser werden. Hej, also nur noch 96…
Ist es nicht erstaunlich, dass diese kleinen Bienchen sogar einen großen Bären vertreiben könnten, wenn sie sich nur zusammen tun? Man ist also gut beraten, erst einmal zu sich selbst zu kommen, bevor man sich in achtsamer Weise den Bienen nähert.

Lieben Dank an alle, die bis hier durchhielten und auch für die Zuschriften zum letzten Bienentagebuchbeitrag, bzw. den sehr netten Emailaustausch, der sich immer wieder ergibt. Ich freue mich wirklich sehr über eure Fragen, die ich immer mal wieder zu lesen bekomme und (so auch hier und heute) zu beantworten versuche (wer Fragen hat: ich versuche gerne, sie zu beantworten, auch wenn ich längst nicht alles weiß und noch sehr, sehr viel über und vor allem von den Bienen lernen muss).

Und ich werde nicht müde, jedem, der sich für Bienen interessiert zu empfehlen, sich bei Mellifera e.V zu informieren (nicht nur angehende Neu-Imker*innen, sondern auch all die, die bereits imkern, es lohnt sich).
Falls jemand an Buch-Tipps interessiert ist, könnte ich eine Sammlung meiner bisherigen Lieblingsbücher zum Thema Bienen zusammenstellen (es gibt auch einige sehr kurzweilige Bücher, die ganz allgemein schön zu lesen sind, auch wenn man selbst keine Bienen halten möchte.

Habt schöne Spätsommertage (wir haben noch eine ganze Woche Ferien),

Michèle

Amselle

*Dieser Blogbeitrag enthält Verknüpfungen (dunkel hervor gehobene Textstellen – durch einen Klick wird man weiter geleitet). Erwähnungen, persönliche Empfehlungen & Verknüpfungen in diesem Blogbeitrag sind freiwillig und beinhalten weder beauftragte noch honorierte Werbung