In Familie & Waldorf/ Lullabee | Bienentagebuch

Rähmchen drahten

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Ich freu` mich, dass ich doch immer mal wieder Emails mit Fragen zu unseren Bienen bekomme (hab mir nämlich schon Gedanken gemacht, ob mein Bienentagebuch überhaupt jemanden interessiert). Manchmal kommen sogar Fragen von Hobbyimkerinnen, die bisher wenig über die wesensgemäße Bienenhaltung wissen (ja, ich schreibe bewusst Imkerinnen, denn es waren bisher ausschließlich Frauen, die mir dazu schreiben). Erfahrung habe ich so betrachtet übrigens auch kaum, denn nach erst einem Jahr Bienenhaltung kann man wohl eher von einer leisen Ahnung als von Erfahrung sprechen. Ich habe mir inzwischen zwar einiges angeeignet, lese viele Bücher, tausche mich in Foren aus und habe zwei Imkerkurse bei Mellifera besucht, trotzdem ist das alles natürlich nur ein klitzekleiner Wimpernschlag – praktische Erfahrung muss ich auch erst sammeln (selbst Imker, die schon seit Jahrzehnten imkern sagen, dass sie noch immer von den Bienen lernen).
Neulich hat mich jemand gefragt, weshalb ich mir noch eine andere Beute ausgesucht habe: Ein Grund, weshalb ich mir zur Bienenkiste noch die Mellifera-Einraumbeute gewünscht habe ist, noch etwas mehr Einblicke in ein Bienenvolk haben zu können (z.B. mit den Kindern auch mal eine Wabe samt Bienen genauer angucken zu können – auf einer Wabe gibt es sooo viel zu beobachten). Bei der Bienenkiste beobachten wir unsere Bienen fast ausschließlich am und um`s Flugloch, die Waben kann man nur begrenzt begutachten, weil die Bienenkiste im Gegensatz zu anderen Beuten keine herausnehmbaren Rähmchen besitzt (das ist genau so gewollt). Man hat mit etwas Aufwand jedoch die Möglichkeit, ab und zu einen Blick in den Wabenbereich als Ganzes zu werfen (was sehr besonders ist, denn einen solchen Anblick bekommt man sonst eigentlich nirgends gewährt) – hierfür muss man die Bienenkiste allerdings komplett kippen (was ich leider allein schon wegen des Gewichts nur mit Hilfe meines Mannes schaffe) – man hebt nach dem Umdrehen vorsichtig den Deckel, bzw. nimmt eigentlich den Boden ab (die Bienenkiste liegt ja dann verkehrt herum), so wie auf dem Bild unten bei der Oxalsäurebehandlung gegen die Varroamilbe im Dezember.

Ansonsten versucht man bei der Bienenkiste, die Bienen so wenig wie möglich zu stören. Man kann von der Rückseite der Bienenkiste her noch eine kleine Klappe abnehmen (quasi die Hintertür), von dort aus einen Blick in den Brutbereich werfen, beobachten wie weit der Naturwaben vorgeschritten ist, nach Auffälligkeiten sehen und ggf. Futter in den hinteren Bereich stellen, falls notwendig (oder eben gegen die Varroa behandeln). An einem  warmen und sonnigen Frühlingstag im April oder Mai wird die Bienenkiste normalerweise das erste Mal im Jahr geöffnet, um zu schauen, ob die Bienen den Winter gut überstanden haben.
Wir haben unsere Bienenkiste im ersten Jahr nur zwei oder drei mal geöffnet, ansonsten die Bienen nur ausgiebig am Flugloch beobachtet, was ich nach wie vor unglaublich spannend finde. Am Verhalten der Bienen am Flugloch lässt sich sehr viel ablesen.

Die Wahl der Beute und auch die Haltungsform selbst (konventionell oder wesensnah) ist wohl eine sehr individuelle Angelegenheit – fragt man drei Imker um Rat, bekommt man eigentlich immer mindestens vier verschiedene Sichtweisen (oder auch mal ordentlich Schimpfe)! Schade, dass es wohl kaum möglich ist, sich einfach nur gegenseitig zu inspirieren und das möglichst im Sinne der Bienen…

Nach einem Jahr Bienenhaltung sind wir nun also doch etwas neugieriger geworden und ich sehne mich nach etwas mehr Einblicken in das Bienenvolk. Die Mellifera-Einraumbeute hat wie klassischen Beuten Rähmchen. Bei der wesensgemäßen Bienenhaltung ist es aber so, dass im Brutbereich nicht wie sonst üblich Mittelwände eingesetzt werden, die Bienen dürfen ihre Waben als Naturwabenbau in die Rähmchen bauen. Die Rähmchen der Mellifera-Einraumbeute unterscheiden sich von denen der meisten anderen Bienenbeuten – mit ihren Hochwaben bietet die Einraumbeute dem Bienenvolk natürlichere Bedingungen, außerdem findet das ganze Bienenvolk in einem einzigen Raum Platz, wird also nicht, wie in Magazinbeuten üblich, in aufeinander gestapelte Zargen zerteilt. Auch die Königin darf überall hin, denn in der Mellifera-Einraumbeute wird kein Absperrgitter verwendet! Wer mehr erfahren mag, kann bei Mellifera etwas zu lesen, z.B. HIER. Auf dieses neue Abenteuer wollen wir uns jedenfalls einlassen!

Strohschied, Mellifera Einraumbeute

Zu Weihnachten habe ich mir voller Vorfreude schon mal ein besonderes Strohschied geschenkt, noch bevor ich die passende Einraumbeute hatte (die eigentlichen Trennschiede sind einfacher gearbeitet). Ein Schied isoliert, kann von den Bienen umlaufen werden und zeigt der Königin das Ende des Brutnests. Das Strohschied, das ich mir ausgesucht habe, wird sehr aufwändig in Handarbeit aus demeter-Stroh gemacht – es kann zusätzlich Feuchtigkeit aufnehmen und dadurch das Klima in der Beute verbessern. Man sagt außerdem, dass es dem Bücherskorpion Unterschlupf bietet. Der Bücherskorpion ist ein winzig kleiner Pseudoskorpion und kommt u.a. auch in menschlicher Umgebung vor. Er vespert z.B. gerne Staubläuse oder Milben, man hat beobachtet, dass er auch gerne Varroamilben verspeist, die wiederum unserer Honigbienen das Leben schwer machen.

Strohschied, Mellifera Einraumbeute Strohschied, Mellifera Einraumbeute

Unsere Einraumbeute habe ich im Winter vorbestellt und im Januar dann sozusagen im „Rohbau“ geliefert bekommen. Die Beute selbst kommt zwar fertig montiert, aber einige Arbeiten müssen schon noch erledigt werden – die Lasur haben wir vorige Woche aufgetragen, die Rähmchen (für den Wabenbau) brauchen aber auch noch ein bisschen Zuwendung:

Jeweils vier solcher Pilzkopfnägeln müssen als Abstandshalter in jedes der 21 Rähmchen gehämmert werden:

Meine Kinder haben das auf Anhieb prima geschafft, mein erster eingeschlagener Nagel war allerdings total schief – der kleine Handwerker hier hat`s wieder gerichtet!

Mellifera-Einraumbeute, Pilzkopfnägel Rähmchen

Ohje, und dann war das Drahten der Rähmchen an der Reihe – ganz schön aufwändig (wie ich finde). Wir brauchen eine kleine Ewigkeit für diese Arbeit, weswegen bisher auch erst fünf Rähmchen fertig bespannt sind (anfangs braucht man zum Glück aber erst mal nur diese fünf): In jedes Rähmchen wird ein feiner Edelstahldraht gezogen, um die Waben, die die Bienen später in diese Rähmchen bauen, zu stabilisieren. Ich kenne erfahrene Imker, die nicht drahten – Metall kann die Bienen und ihre feinen Sinne nämlich stören, weswegen viele wesensgemäße Imker versuchen, Metall im Bienenstock zu vermeiden. Ich als Anfänger traue mich aber noch nicht, mit Naturwabenbau ohne gedrahtete Rähmchen zu imkern, beim Herausnehmen und Kippen der Rähmchen könnten sonst die Waben abreißen (auch große Hitze wie vorigen Sommer kann sowas verursachen) – das möchte ich natürlich keinesfalls riskieren. Vielleicht versuche ich irgendwann, die Waben statt mit Draht mit Holzspießen zu stabilisieren.

Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahtenMellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten

Der Edelstahldraht wird durch die seitlichen Ösen der Rähmchen gezogen, am Anfang und am Ende wird jeweils ein Nagel ins Holz gehämmert, um den dann die Drahtenden einige Male herum gewickelt werden.

Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten

Zuletzt kommt endlich das neue Lieblingswerkzeug meiner Buben zum Einsatz: der Wabendrahtspanner! Der nach dem Durchfädeln schon etwas vorgespannte Draht wird zwischen die beiden Rädchen gefasst und der Spanner dann mit leichtem Druck zur anderen Seite geschoben…

Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten - DrahtspannerMellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten - Draht spannen

Zack, wie von Zauberhand bekommen die Drähte ein hübsches Wellenmuster und werden dadurch nochmal ordentlich gestrafft – das könnten meine Jungs stundenlang machen.

Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten - Draht spannen Mellifera-Einraumbeute, Rähmchen drahten

.Alle Proportionen der Einraumbeute sind übrigens im goldenen Schnitt gehalten, weshalb man die Einraumbeute auch Goldbeute nennt ♥

Ich mag unser gemeinsames Bienenprojekt sehr und finde, bei solchen Arbeiten lernen die Kinder unheimlich viel, weswegen ich schon auch mal ein Auge zudrücke und die ein oder andere Schulaufgabe während der Corona-homeschooling-Zeit dafür ausfallen lasse (oder zumindest nach hinten verschiebe). Man muss sich und die Kinder in dieser besonderen Zeit nicht auch noch unter Druck setzen.

Frühlingsgrüße,

Michèle ♥

*Dieser Blogbeitrag enthält Verknüpfungen (dunkel hervor gehobene Textstellen). Erwähnungen, persönliche Empfehlungen & Verknüpfungen in diesem Blogbeitrag sind freiwillig und beinhalten weder beauftragte noch honorierte Werbung (ich hab`alles selbst gekauft)!