In Lullabee | Bienentagebuch

bittersüße Honigernte

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Auch wenn wir unsere Bienen nicht vorrangig wegen ihres Honigs halten, freuten wir uns trotzdem schon sehr auf die allererste Honigernte von unserem Bienenvolk Salomé, das seit Mai 2019 bei uns ist (im ersten Jahr eines Bienen-Jungvolks sollte noch nicht geerntet werden, erst ab dem zweiten Jahr). Ein paar Gläschen wollten wir den Bienen diesen Sommer jedenfalls gerne stibitzen, ihnen aber nach Bedarf wieder etwas von der Ernte zurück geben, falls die Vorräte im Bienenstock nicht für den Winter ausreichen sollten. Aber: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt…

Warum bittersüß: Unserem Bienenvolk Salomé ging es den ganzen Juni über bis in den Juli hinein leider gar nicht gut – ein Virus (CBPV – Chronischer Bienenparalyse-Virus) machte ihnen (und mir) wochenlang zu schaffen (zum Glück steckte sich unser zweites Bienenvolk Alma nicht an). Wohl nur weil ich tagein, tagaus neugierig am Flugloch sitze und meine Bienen beobachte, bemerkte ich, dass etwas mit einem der Bienenvölker so gar nicht stimmte

Ich beobachtete seltsame Krankheitszeichen, u.a. wurden haufenweise Bienen aus der Beute gezerrt, dann starben so, so viele – der Platz vor der Beute war übersät mit auffallend kranken und toten Bienen, bald auch der Hof…. Der Bienenstock wurde leichter und leichter, denn so geschwächt konnte Salomé wohl kaum noch Vorräte einlagern, die Bienen verbrauchten wahrscheinlich während der lang andauernden Krankheitsphase vielmehr schon einen Großteil von dem, was sie bis dahin so fleißig eintrugen. Unerwarteterweise erholte sich das Volk nach einigen Wochen wieder, zumindest vorerst – nach dem Winter werden wir weiter sehen, denn dieser Virus ist leider eine harte Nuss.
So deprimierend diese Wochen für mich waren, die Auseinandersetzung mit all dem brachte mich auch ein Stückchen weiter, denn zwangsläufig muss man sich Gedanken machen, welche der Ratschläge man denn nun befolgen möchte, bzw. wie man als Imkerin, der die wesensgemäße Bienenhaltung am Herzen liegt, mit solchen Bienenkrankheiten umgeht. Ich denke noch immer darüber nach und lerne…

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Zum Herbst hin müssen die Honigwaben so oder so aus dem hinteren Bereich der Bienenkiste (Honigraum) heraus genommen werden, auch weil der Platz hier für die Varroa-Behandlung benötigt wird (mit Honigraum ist das obere helle Drittel in der auf dem unteren Bild aufgestellten und geöffneten Bienenkiste gemeint). Falls die Trachtverhältnisse in der Umgebung gut sind und das Bienenvolk gesund und stark ist, sind die Waben im Honigraum gegen Ende Juli (mancherorts auch früher) meist ordentlich mit Honig gefüllt und können geerntet werden, während die Vorräte, die die Bienen im Brutraum einlagern (im Bild unten der dunkle Bereich) dem Volk als Wintervorrat vorbehalten bleiben. Falls hier bis zur Einwinterung nicht genug Vorrat vorhanden ist, muss aufgefüttert werden (das Bienenvolk braucht mind. 15 kg Vorräte für den Winter).

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Leider war wie befürchtet kaum Honig in den Waben – unten im Bild ist eine der wenigen Waben (aus dem hinten liegenden Honigraum) mit etwas verdeckeltem Honig zu sehen.

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Wir nahmen die Leisten mit den Waben heraus – den geernteten Honig bekamen die Bienen aber (bis auf einige Kostproben) wieder zurück, denn auch die Honigvorräte im Brutraum waren erschreckend winzig

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Unten auf dem Bild ist eine Honigwabe zu sehen – eigentlich sollte sie wie gesagt bis Ende Juli mit Honig gefüllt sein. Die dunklen Stellen auf den Waben sind Bereiche, die bis vor Kurzem noch bebrütet wurden – bis zur Sommersonnwende dehnt sich das Brutnest oftmals so stark aus, dass die Stockmutter (Bienenkönigin) ihre Eier auch im Honigraum ablegt, falls sie daran nicht vom Imker gehindert wird. In der konventionellen Imkerei werden nämlich üblicherweise Absperrgitter angebracht, sodass die Königin dort nicht hingelangen kann – die Honigernte ist deshalb einfacher und ertragreicher.
Anders in der wesensgemäßen (und demeter-) Bienenhaltung, denn hier verzichtet man auf solche Absperrgitter (die Stockmutter darf sich frei in ihrem Reich bewegen, ganz wie es ihr behagt), man respektiert den Lebensrhythmus des Bienenvolks und ordnet sich diesem unter. Nach Johanni zieht sich das Brutnest ohnehin wieder ganz natürlich zurück, bis dahin wird mit der Honigernte gewartet, bzw. werden ansonsten lediglich die Honigwaben zur Ernte entnommen, die frei von Brut sind.

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Auf dem Bild unten ist eine Wabe von oben zu sehen – hier sieht man schön die länglichen Kammern (für Honig, Pollen oder Arbeiterinnenbrut). Eine solche leere Wabe ist federleicht, wäre sie komplett mit Honig gefüllt, würde sie ca. 2 kg wiegen

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Was für ein trauriger und beunruhigender Anblick – völlig trockene Waben ohne ein Tröpfchen Honig. Aber das Wabenwerk ist unglaublich schön anzusehen und duftet himmlisch

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Auf dem unteren Bild sind einige der wenigen Wabenteile zu sehen, die mit köstlichem Honig gefüllt waren – in etwa 1 kg betrug unsere gesamte Ernte (üblicherweise wären es je nach Standort und Tracht ca. 10-20 kg)

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Seht ihr das helle Verdeckelungswachs auf der Wabenoberfläche? Sieht es nicht so aus, als hätte jemand Butter auf die Waben gestrichen? Die Bienen verschließen Bereiche mit reifem Honig mit frisch geschwitztem Bienenwachs (ja genau, die Bienen schwitzen das Bienenwachs aus Drüsen, die sich auf der Unterseite ihres Hinterleibs befinden – aber nicht jede Biene kann immerzu Wachs schwitzen, denn jede Biene hat ihrem Alter entsprechend andere Aufgaben). Dieses Wachs wird Verdeckelungswachs genannt und ist besonders rein und kostbar – es eignet sich z.B. für die Herstellung von Heilmitteln oder Kosmetik, genau wie das Jungfernwachs (wenn die Bienen frisches Wabenwerk bauen, sind diese Waben anfangs noch transparent weiß – gelb bis braun wird Bienenwachs erst mit der Zeit durch Pollen, Propolis, Brut usw.)

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Wir steckten alle mal unsere Finger genüsslich in die Waben und anschließend in den Mund, um zumindest eine kleine Ahnung vom köstlichen Geschmack vom Honig unserer Bienen zu bekommen – den Rest bekam Salomé inzwischen wieder zurück.
Eine Bildergeschichte zur Bienenwachs-Ernte zeige ich auch bald, vielleicht sogar schon morgen

Honigsüße Grüße,
Michèle

Ach, übrigens: Um ein Gläschens Honig gefüllt zu bekommen, müssen die Bienen umgerechnet ungefähr 2 1/2 Mal um die Erde fliegen! 

Amselle