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eine kleines Entenkind

Gestern war mal wieder so ein Tag, der mir lange im Gedächtnis und vor allem im Herzen in Erinnerung bleiben wird. Seit gestern Nachmittag habe ich ein ganz schweres Herz, eines von der Art, das wohl vor allem Mütter kennen. Naja, mein Herz wäre sicher auch schwer, wenn ich keine Kinder hätte…
Man weiß ja, dass man ein Herz hat und es pocht und pocht und pocht. Aber zwischendurch gibt es Zeiten, da pocht es etwas lauter.

Meine Buben waren mit dem Roller im Dorf herum streunern und kamen ganz aufgeregt und außer Atem nach Hause zu mir in die Küche gelaufen – „Mama, komm – da ist eine Entenfamilie auf der Straße„. Ich lief den beiden schnell hinterher (gar nicht so einfach, die zwei fuhren mit ihren Rollern voraus), dort fanden wir schon bald die Entenfamilie, die inzwischen in einem der Gärten in den Weinbergen im hohen Gras saß. Die Entenmama schnatterte. Wahrscheinlich brütete sie dort die letzten Wochen im Dickicht und vielleicht wollte sie mit ihrer Kinderschar nun einen ersten Ausflug hinunter zum Flüsschen ins Tal machen, der sich dort entlang schlängelt. Ich ging beruhigt nach Hause zurück, meine Kinder zum Glück nicht. Kaum stand ich wieder am Herd, kam einer meiner Buben nämlich ganz außer sich vor Sorge wieder zu Hause angeschnauft, um mich zu holen: eines der kleinen Entenkinder war in einen Gully gefallen – deshalb lief die Mama wohl anfangs also auf der Straße herum…
Meine Kinder konnten das Kleine mit Hilfe eines Autofahrers, der zum Glück anhielt, als er meine aufgeregten Buben beobachtete, aus dem Gully befreien und brachten das Entenkind nach Hause – die übrige Entenfamilie war nämlich nach der Rettung nicht mehr zu sehen. Wie schnell einem das Herz doch vor Liebe und Zuneigung überquillt! Wir suchten zu dritt gute zwei Stunden in den Weinbergen, Gärten und auch unten am Fluss nach der Entenfamilie – leider erfolglos. Schweren Herzens brachten wir das Küken abends zu einer Päpplerstelle. Ich fühlte so sehr, meine Buben ebenso. Wir drei mit schweren Herzen und Tränen in den Augen. Welche großen Gefühle so ein kleines Wesen doch auslösen kann. Das arme Entenkind und auch seine Entenmama, die es wohl noch immer suchen würde. So gerne hätte ich mich selbst um das Entchen gekümmert, bis es ausgewildert werden kann, aber dafür bräuchte man im Garten einen separat eingezäunten und gut geschützten Bereich und vor allem weitere Artgenossen. In solchen Momenten muss man sich ein Herz fassen und los lassen. Wenn wir unseren Garten umgestalten, werde ich mich daran erinnern!!! Auch heute ist mein Herz noch immer schwer. Es tut mir so, so, so leid, dass wir die Entenfamilie nicht mehr finden konnten. Bevor wir unser Findelkind weg brachten, machten wir noch Erinnerungsbilder – meine Buben hätten gerne eins davon im Kinderzimmer (ich auch).
Ach…

Vom Bienen-Seminar bei Mellifera berichte ich ein anderes Mal, diese Woche ist mit allerlei Aufregendem und HERZlichem gefüllt

Juligrüße,

Michèle ♥

Profilbild, Michèle Brunnmeier, Fotograf, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg