In Bienentagebuch

Drohnenschlacht

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In unserem Bienenvölkchen Salomé kann man seit gut zwei Wochen die sogenannte Drohnenschlacht beobachten, die je nach Region meist nach der Sommersonnwende, bzw. manchmal auch erst gegen Mitte/Ende Juli beginnt. Bevor wir ein eigenes Bienenvolk hatten, habe ich zwar schon von diesem Phänomen gehört, es nun aber wirklich zu erleben, ist gar nicht immer so einfach für mich. Die Drohnen (männliche Bienen) tun mir leid und ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich einen Moment lang darüber nachdenke, ob ich vielleicht den ein oder anderen retten und mit ein bisschen Honig füttern könnte… (was ich natürlich nicht mache).

Drohnen leben nicht das ganze Jahr über im Bienenvolk, sie entwickeln sich erst ab ca. Ende April aus den unbefruchteten (!!!) Eiern der Königin (Jungfernzeugung). Nach dem Schlüpfen sind die Drohnen nicht stocktreu, das bedeutet, dass sie von Bienenvolk zu Bienenvolk wandern und von den Arbeiterinnen gehegt, gepflegt, gefüttert und umsorgt werden (was für ein Honigschlecken…). Drohnen können selbst keinen Nektar sammeln (besitzen weder Saugrüssel noch Stachel) und haben im Gegensatz zu den Arbeiterinnen, die entsprechend ihrem Alter z.B. den Bienenstock sauber halten, Larven füttern, Waben bauen, das Flugloch bewachen und Nektar und Pollen sammeln, keine Arbeit in diesem Sinn im Bienenstock. Das ist doch ein bisschen so wie im Schlaraffenland, nur leider nicht auf Dauer. DAS Highlight der Drohnen sind die Hochzeitsflüge während der Schwarmzeit (an sogenannten Drohnensammelplätzen), bei denen sie versuchen, eine Jungkönigin im Flug zu begatten. Bis zu 20 Drohnen schaffen das – und bezahlen dafür mit ihrem Leben, denn sie sterben direkt nach der Begattung. Die anderen Drohnen kehren zurück in die Bienenstöcke, werden später bei der Drohnenschlacht aus dem Bienenstock verjagt und müssen dann verhungern. Bis zum kommenden Frühjahr lebt das Bienenvolk ohne Drohnen.

Auf meinem ersten Bild sitzen zwei Drohnen am Flugloch, die sich offensichtlich wundern, weshalb sie plötzlich nicht mehr in den Bienenstock dürfen – das Leben ist also doch kein Honigschlecken….

Drohnenschlacht, wesensgemäße Bienenhaltung, wesenstreue Bienenhaltung, wesensgetreue Bienenhaltung, Bienenkiste   Und hier wird eine Drohne von gleich zwei Arbeiterinnen vor die Türe gesetzt – so geht das momentan den lieben langen Tag

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Die Drohnen versuchen natürlich erst einmal, sich zu wehren (oder doch noch schnell durchs Flugloch zu schummeln) – weil sie aber seit Tagen nicht mehr gefüttert werden und dadurch etwas kraftlos sind, kommen sie gegen diese Frauenpower einfach nicht an (und ihren Stachel müssen sie schließlich auch noch fürchten)

Achherrjeh – gleich wird der Drohn einfach nach unten auf den Boden geschubst. Wenn ihr genau hinschaut, erkennt man, dass die Drohnen wesentlich größer sind als die Arbeiterinnen – sie haben außerdem auch viel, viel größere Augen (die beinahe das ganze Gesicht ausfüllen).

Kranke Bienen verlassen übrigens meist noch vor ihrem Tod den Bienenstock, um das Volk vor eventuellen Krankheiten zu schützen. Falls eine Biene doch einmal im Stock stirbt, wird sie von ihren Schwestern nach draußen getragen und dort auf dem Erdboden oder im Gras abgelegt (manchmal fliegen Arbeiterinnen mit toten Bienen auch ein ordentliches Stück vom Bienenstock weg). Aus dem Stock vertriebene und verhungerte Drohnen liegen letztlich meist auch auf dem Boden vor dem Stock. Ameisen und Wespen freuen sich – ich habe schon oft beobachtet, wie Ameisen tote Bienen weg tragen, Wespen schmausen meist gleich an Ort und Stelle

Obwohl ein Drohn deutlich größer ist als eine Arbeiterin, schaffen es die Damen beinahe mühelos, sie vor die Türe zu setzen – ab und zu helfen sie sich aber auch gegenseitig, wie man auf einigen Bildern sehen kann. Vor einigen Tagen habe ich beobachtet, wie sich eine Arbeiterin kurzerhand einen Drohn geschnappt und mit ihm auf und davon geflogen ist.

Ich freue mich übrigens sehr über die lieben Zuschriften, die ich zum Bienentagebuch hier im Blog bekommen habe – herzlichen Dank dafür! Ein Blogbeitrag zum Bienenseminar bei Mellifera ist schon in Arbeit.

Michèle ♥

Profilbild, Michèle Brunnmeier, Fotograf, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg

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