In Bienentagebuch/ Familie & Waldorf

ein Dach für`s Bienenhaus

Als wir vor etwa zehn Wochen etwas unverhofft unsere ersten Bienchen bekamen, stand zwar das Bienenhaus parat, das Dach, das es vor Regen (und Schnee) schützen soll, baute mein Mann damals jedoch am Tag des Einzugs der Bienen aus der Not heraus geschwind aus allerhand Sachen, die noch im Keller zu finden waren (erstes Bild unten). Für den Anfang war das prima, ganz so hübsch anzusehen war`s aber leider nicht. Neulich sagte ich in den ersten Ferientagen beim gemütlichen Aufwachen im großen Familienbett zu meinem Mann und unseren beiden Jüngsten, dass ein neues Bienenhausdach doch ein nettes Ferienprojekt wäre…. Ich erinnere mich, dass es neben mir einen kleinen Moment lang merkwürdig still war, als ich das so vor mich hin wünschte. Inzwischen weiß ich, weshalb: es war längst in Arbeit – in der wunderschönen Werkstatt eines befreundeten Tischlers (es sieht dort ein bisschen aus wie bei Petterson & Findus) bauten meine drei Männer zusammen mit dessen Hilfe ein unglaublich schönes Dach für unsere Bienen. An meinem Geburtstag konnten sie endlich ihr bis dahin gut gehütetes Geheimnis, für das sie sich etliche Geschichten und Ausreden ausdachten, damit ich bloß keinen Verdacht schöpfe, lüften. Nun ist mir sonnenklar, warum diese drei Schlitzohren (scheinbar) so oft stundenlang unten im Dorf auf dem Sportplatz Fußball spielten oder abends ungewohnt lange Spaziergänge mit unserem Hund Wanja machten (und mir anschließend auch noch vom schönen Sternenhimmel vorschwärmten und wen sie zufällig unterwegs auf einen kleinen Abendschwatz trafen…) – ja, die drei beschummelten mich nach Strich und Faden und ließen sich dabei nichts anmerken. An einem dieser Fußballtage kamen sie selbst bei strömendem Regen nicht wieder heim, sondern blieben den lieben langen Nachmittag weg, kamen seltsamerweise dann aber völlig trocken nach Hause (einer lässig den Fußball unter den Arm geklemmt, alle drei etwas atemlos – wie das halt so ist nach einem Fußballspiel).

Auf meinen fragenden Blick meinte einer:
Mama, wir haben uns einfach unter ein Dach gestellt…“. Ich weiß jetzt, dass meine kleinen und großen Jungs phantastische Geschichtenerfinder und -erzähler sind!

Das Holz für das neue Bienendach stammt teilweise noch vom Bau unseres Waldorfkindergartens, an dem wir vor mehr als 20 Jahren tatkräftig mitarbeiteten. Mein Mann ist ein waschechter Jäger & Sammler – alles, was vielleicht irgendwann einmal noch für etwas nützlich sein könnte, wird vorsorglich im Keller verstaut und aufbewahrt, so auch etwas Restholz vom Holzhaus, das nun im Bienendach verbaut wurde – schön, hm?! Ein bisschen schmunzeln musste mein Mann schon, als er es mir erzählte, denn ich verdrehe manchmal die Augen, wenn er wieder einmal etwas in den Keller trägt.
Für den zweiten Lasur-Anstrich reichte die Zeit vor meinem Geburtstag nicht mehr, deshalb konnte ich neulich noch dabei zusehen und ein bisschen helfen. Vor wenigen Tagen tauschten wir die Dächer dann aus (Herbst & Winter dürfen also getrost kommen) und das nahm ich gleich mal zum Anlass, auch das Drumherum (und Obendrüber!) ein bisschen zu verhübschen. Sogar ein Namensschild für unsere Salomé hängt nun Ton-in-Ton mit Aquarellfarben bemalt unter dem ganz sehr hübschen Dachgiebel. Die bienenfreundlichen Stauden, die mir meine Freundin zum Geburtstag schenkte, stehen neben meinem Guckschemelchen vor dem Bienenhäuschen und einige der gesammelten leeren Schneckenhäuser (samt Stöcken), die meine Kinder immer auf ihren Ausflügen so emsig zusammentragen, fanden auch ein nettes Plätzchen. Glückspilzchen können sowieso nie und nirgendwo schaden.
Tja, jetzt sitze ich noch viel lieber auf meinem Schemelchen vor dem Bienenhäuschen und guck den fleißigen Bienchen zu.

Sonnige Grüße aus meinem Sommerpäuschen – bis in den September hinein genießen wir unsere Ferienzeit und das Lotterleben sowieso,

Michèle ♥

Profilbild, Michèle Brunnmeier, Fotograf, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg