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Wilde Möhre

Ach, ich könnte diese goldenen Spätsommerwiesen immerzu anhimmeln – sind sie nicht wunderwunderschön?
Und die Wilde Möhre – so ein zauberhaftes Wildblümchen, nicht nur die zarten Blüten, sondern auch dann, wenn sich die Dolden in kleine Vogelnestchen verwandeln. Ich musste mir ein paar Stängelchen mit nach Hause nehmen….

Beim Anblick der Wilden Möhre vor wenigen Tagen blitzte nämlich eine Idee für das nächste Kinderkleidchen in mir auf…. Am liebsten würde ich ja immer alles augenblicklich in die Tat umsetzten, das war aber mangels an farblich passendem Stickgarn nicht möglich. Anfangs war ich enttäuscht (ich bin die Ungeduld in Person), aber dann….
Direkt vor dem Wohnzimmerfenster wächst zu meinem Glück ein Walnussbaum im Garten, ich pflückte mir ein Blätter-Sträußchen von den Zweigen und Walnussschalen vom letzten Herbst fand ich noch in meinem Pflanzenfärbevorrat. Schnurstracks machte ich aus der Not eine Tugend und färbte mir für mein Vorhaben zwei Stränge Stickgarn in sanften Naturtönen – vielleicht ist das ja nun der Beginn einer neuen (alten) Liebe…


(rechts Färbung mit frischen Walnussblättern -ich mag den Duft an den Händen nach dem Sammeln der Blätter so sehr-, links mit getrockneten Walnussschalen)

 Ich glaube, die Wilde Möhre sähe schlicht stilisiert gestickt auf einem zarten Leinenkleidchen ganz bestimmt allerliebst aus – das möchte ich jedenfalls gerne mal versuchen. Ganz einfach soll es werden, ohne viel Schnickschnack mit wenigen Handstichen und in diesen sanften Farben.
Bevor vor 10 Jahren eine Stickmaschine in mein Nähstübchen einzog, stickte ich öfter einmal etwas von Hand, mit der Stickmaschine im Haus wurde das zwar leider seltener der Fall, aber dann und wann findet sich doch auch mal ein Sticknädelchen in meiner Hand. Das Sticken mit der Hand und mit der Stickmaschine lässt sich eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichen, beides hat seinen Reiz für mich. Aber das Sticken mit der Hand braucht eine ganz andere Art von Muße, finde ich. Beide Stickweisen sind zeitaufwändig. Beim Sticken mit der Stickmaschine ist man eher Zuschauer, Garnwechsler, Kontrolleur, die Maschine ist laut und das Besticken fühlt sich durch das schnelle Auf und Ab der Sticknadel für mich oft auch etwas etwas hektisch an (ich mag und schätze meine Stickmaschine trotzdem sehr und möchte sie nicht mehr missen!!!). Die Handstickerei empfinde ich als eher „leise“ (nicht nur wegen dem fehlenden Geräusch einer Maschine) und meditativ.

Ich freue mich heute jedenfalls sehr auf ein Stündchen Handstickerei – wahrscheinlich nehme ich mir die Stickarbeit mit nach draußen und setze mich zu meinen Bienchen.

Sonntagsgrüße,

Michèle ♥

Profilbild, Michèle Brunnmeier, Fotograf, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg