In Familie & Waldorf

Laternenzeit…

…damals in unserem Waldorfkindergarten

Sechs Kinder, insgesamt 19 Jahre Waldorfkindergartenzeit (genauso lange sind wir jetzt auch an unserer Waldorfschule) – das macht 20 dieser so typischen Waldorflaternen, wenn ich mich nicht verzählte (und zwar ausschließlich diese orangefarbenen Laternchen, gefaltet aus den Aquarellen der Kinder). Das hier sind unsere beiden letzten…

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Ein bisschen sehr wehmütig war mir gestern zumute, als ich die beiden Laternen beim Abendessen auf unseren Tisch stellte und die Kerzen darin anzündete. Unsere beiden Jüngsten sind inzwischen 10 Jahre alt, die Laternenzeit im Kindergarten ist also längt vorüber, aber wenn ich an diese Zeit zurück denke, wird mir noch immer ganz warm ums Herz.
Wir hatten wunderschöne stimmungsvolle Laternenfeste. Die Kinder malten wie in wohl allen Waldorfkindergärten bereits im September während der Michaelizeit ihre orange leuchtenden Aquarellbilder, aus denen wir Eltern an einem Elternabend gegen Ende Oktober Jahr für Jahr solche wunderschönen Waldorflaternen falteten (was meist mein Mann machte, er ist sozusagen der Waldorflaternenfaltfachmann bei uns im Haus) und die Kinder ihre kleinen Kunstwerke dann einige Tage später mit Öl einpinselten. Einerseits hatte jede Laterne dieselbe Farbe (die Kinder bekamen jeweils ein Schälchen Aquarellfarbe in gelb und rot)  und wurde exakt in derselben Art und Weise gefaltet (man muss sehr genau arbeiten) und doch sah jede dieser Laternen anders und eigen aus, keine glich einer anderen und natürlich erkannte jedes Kind die seine. Wenn man in dieser Zeit (bzw. während der ganzen Michaeli, Advents- und Weihnachtszeit) morgens in den Kindergarten kam, leuchteten im Flur und in der Garderobe, wo es um diese Uhrzeit noch recht dunkel war, nur Kerzen auf den Fenstersimsen und beim Eintreten in unsere „Rosengruppe“ konnte man dann 22 dicht an dicht nebeneinander hängende Laternen bewundern. Von zu Hause brachten alle Kinder ein dickes kurzes Stöckchen aus dem Garten oder Wald mit in den Kindergarten. An diesem Stöckchen konnte die Laterne gut getragen werden (kurze und dicke Stöckchen liegen viel besser in kleinen Kinderhänden als die üblichen dünnen Laternenstecken und wenn die Stöcke nicht so lang sind, fällt den Kindern das Tragen auch leichter).
In den Tagen vor dem Laternenfest spazierten die angehenden Schulkinder beider Gruppen mit warm eingemummelt mit Leiterwagen und Vesper bepackt mit zwei Kindergärtnerinnen (ich liebe dieses Wort ♥) in den nahe gelegenen Wald, um dort aus Zweigen, Ästen und Moos kleine feine (manchmal auch ziemlich große) Zwergenhäuschen zu bauen… Ich erzähle später, was das für einen schönen Grund hatte!*
Am Martinstag trafen sich alle Kinder, Eltern und Kindergärtnerinnen am Waldrand, jedes Kind trug stolz seine Laterne in der Hand und bekam sein (echtes) Kerzchen darin angezündet, bevor die Kinder mit den Erzieherinnen singend durch den dunklen stillen Wald liefen (keine allzu lange Ewigkeit, es waren meist so ca. 20-30 Minuten). Wir Eltern standen am Ende des Rundweges (was zugleich auch der Anfang war) Spalier und empfingen die singende und leuchtende Laternenkinderschar – wir sahen die schaukelnden Lichter schon aus der Ferne und hörten den immer kräftiger werdenden Gesang, im Wald war es ansonsten ja stockdunkel und mucksmäuschenstill. Ich erinnere mich, dass ich im Hals einen Kloß spürte. Je näher die Kinder kamen, desto größer wurde er und ich spüre ihn auch jetzt beim Schreiben und der Erinnerung daran wieder. Wir Eltern stimmten in den Gesang mit ein, nahmen unsere Kinder an die Hand und machten auf der Lichtung nebenan einen groooßen Kreis – was für ein warmes Licht es durch die vielen orangefarbenen Laternen gab. Auf der Lichtung sangen wir noch einige Martinslieder zusammen, währenddessen selbst gebackene Martinshörnchen aus Körben verteilt und symbolisch natürlich auch geteilt wurden, bevor sich alle mit einem Gutenachtlied („der Mond ist aufgegangen“ – da stiegen mir oft die Tränen in die Augen, weil`s einfach so schön rührseliglich war) voneinander verabschiedeten.

Bevor wir nach Hause gingen, lief ich mit meinen Kindern noch einmal in den kleinen Waldweg neben der Lichtung, denn dort gab es etwas ganz Besonderes zu sehen – dort standen nämlich die in den Tagen zuvor von den Kindern gebauten Zwergenhäuschen und wisst Ihr was? *Aus allen Häuschen leuchtete Kerzenlicht (natürlich war das bereits so, als die Kinder mit ihren Laternchen durch den Wald spazierten und ich ahne, wie sich dieser Anblick in einem Kinderherzen anfühlt). So eine schöne und „heilige“ Stimmung, ich hatte jedes Jahr Gänsehaut (und einen dicken Kloß im Hals und feuchte Augen natürlich sowieso).
Ich kenne keine anderen Laternenfeste, ich kenne nur unsere (und die meiner eigenen Kindheit) und bin glücklich, dass diese besondere Kindergartenzeit meinen Kindern (und uns Eltern) so stille herzerwärmende Erlebnisse und Erinnerungen bescherte.
Manchen mag es vielleicht befremdlich sein, dass die Kinder ohne Eltern durch den Wald zogen – immerhin gab es so keine schwatzenden Eltern und niemand griff nach seinem Taschentelefon, um damit zu fotografieren (darum wurde zwar bereits am Elternabend gebeten und trotzdem gäbe es sicher Eltern, die sich nicht daran halten würden). Das Laternenfest im Kindergarten gehörte den Kindern. Mir persönlich fehlte nichts, wir hatten ja immer unseren gemeinsamen schönen Abschluss und vor allem das Bestaunen der erleuchteten Zwergenhäuschen (wobei ich gestehen muss, dass ich manchmal doch mit durch den Wald lief, weil ich zeitweise als Kindergärtnerin in unserem Waldorfkindergarten arbeitete).

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P.S. ich habe die DIY-Inspirationen (und auch mein Bienentagebuch) unter das Blogmenü platziert, damit es einfacher zu finden ist.
Vielleicht unterteile ich es bei Gelegenheit noch in Frühling, Sommer, Herbst & Winter).
Wenn man mit der Maus über „Blog“ fährt, öffnen sich die beiden separaten Bereiche:

Rührselige Grüße,

Michèle ♥

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