In Bienentagebuch/ Familie & Waldorf

Salomé – ein Name für mein Bienenvolk

Unser Bienenvolk ist nun seit drei Wochen bei uns und hat nun auch einen Namen: Salomé – es bedeutet die Friedliche.

Noch immer faszinieren uns diese fleißigen Tierchen sehr – sie am Flugloch zu beobachten, entwickelte sich zu einem lieb gewonnenen Ritual und es macht mich froh zu sehen, wie neugierig die Kinder unsere Bienen samt ihrem Verhalten beobachten und zu verstehen versuchen. Neulich an einem Nachmittag flogen wieder einmal, wie schon öfter zu beobachten, sehr viele Bienen vor dem Flugloch und summten und brummten laut. Wir standen davor und beobachteten das Schauspiel staunend. Unsere beiden kleinen Buben hatten schnell eine Erklärung: „Papa, die Bienen haben wieder eine Wabe fertig gebaut und feiern„. Später las ich, dass es wohl Drohnen sind, die bei schönem Wetter am Vormittag ausfliegen und meist am Nachmittag etwa um dieselbe Zeit zusammen zurückkehren. In den Sommermonaten sind die männlichen Bienen nämlich auf der Suche nach einer Bienen-Prinzessin, die nur darauf wartet, Königin zu werden.

Ich sitze unzählige Male am Tag auf dem Schemel neben dem Flugloch und beobachte das emsige Treiben, manches Verhalten kann ich inzwischen deuten, anderes nehmen wir erst einmal mit in der Hoffnung, irgendwann vielleicht eine Erklärung zu finden. Neulich z.B. saßen die Bienen am Morgen in einer kleinen Traube am und um`s Flugloch herum und verschlossen es fast komplett, nur wenige Sammelbienen waren unterwegs und mussten sich den Weg durch ein kleines Schlupfloch zurück in die Beute bahnen. Wir dachten uns, dass diese Bienentraube am Eingang wohl etwas mit dem Wetter zu tun haben muss, denn an Regentagen haben wir das schon öfter beobachtet. Und so gibt es vielerlei Dinge, die wir mit und an den Bienen beobachten und im Laufe der Zeit ganz bestimmt viel dabei lernen werden. Es ist wirklich sehr, sehr spannend!
Worüber ich mich ganz besonders freue, seit Bienen in unseren Garten einzogen: Wir schauen uns die Landschaft um uns herum viel aufmerksamer als bisher und mit ganz neuen Augen an. Wenn wir unterwegs sind, schauen wir sehr genau, wo gerade etwas blüht und die Kinder möchten dann wissen, wie groß die Entfernung bis zu uns nach Hause ist und ob unsere Bienen wohl noch bis zu sonnengelben Rapsfeld oder dem leuchtend roten Mohnblumenmeer fliegen können (sie fliegen wohl bis zu drei Kilometer weit, wenn es sich lohnt). Einen kurzen Moment lang denke ich dann, dass ich den Bienen zu Hause unbedingt Bescheid sagen muss, was wir entdeckt haben. Ich glaube, ich wäre richtig gute Kundschafter-Biene.

So, nun folgt aber eine laaaaange Bienen-Bildergeschichte:

 

Bilder – Tag 17


 

Bilder – Tag 21

An den Pollenhöschen lässt sich übrigens sehr schön ablesen oder zumindest erahnen, auf welchen Blüten die Bienen beim Naschen und Sammeln waren – die letzten Tage waren die Pollenhöschen unserer Salomé oft pechschwarz, wahrscheinlich, weil um uns herum so viele wunderschön rote Mohnfelder leuchten – früher dachte ich ja, Pollenhöschen seien immer gelb…
Momentan hat wohl neben dem Bienen-Café „Zum Klatschmohn“ auch das das „Zur duftenden Linde“ geöffnet – überall um uns herum blühen Linden. Unsere Bienen tragen sonnengelbe, olivfarbene, schwarze und auch hellgraue Pollen ein.

Zum Schluss noch mein Highlight des Tages: Heute traute ich mich zum ersten Mal, in den Brutraum der Bienenkiste zu schauen, um zu sehen, wie sich das Wabenwerk entwickelt. Anders als in der konventionellen Imkerei bekommen die Bienen in der wesensgetreuen Bienenhaltung keine geprägten Mittelwände in den Brutraum, sondern lange Holzleisten, zwischen die lediglich schmale Mittelwaben-Anfangsstreifen (in unserem Fall demeter-Qualität) befestigt werden, an denen entlang die Bienen dann ihr ganz, ganz eigenes natürliches Wabenwerk bauen (manche wesenstreue Imker lassen sogar diese Anfangsstreifen weg, weil sie keinerlei Fremdwachs verwenden möchten – das merke ich mir für`s nächste Mal!).
Ich vergaß heute jedenfalls beinahe das Atmen bei diesem beeindruckenden Anblick, schaut nur – ist das nicht ganz und gar unglaublich????


Frisches Bienenwachs ist übrigens nicht gelb, sondern weiß (das wusste ich früher auch nicht)!
Ich bin schon sehr gespannt, wie es in einigen Wochen in der Bienenkiste aussieht, wenn ich sie komplett öffnen kann, bzw. eher muss, weil ich das Volk im Sommer gegen die Varroamilbe behandeln muss.

Sonnige Junigrüße,

Michèle ♥