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Wildbienen-Nisthilfe

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Ich frage mich gerade jeden Morgen, was dieser neue Tag wohl bringen mag, höre die Vögel im Garten singen und den Hahn unten in den Weinbergen krähen, was mich sonst schon in aller Frühe immer ganz froh werden lässt. Jetzt ist da keine morgendliche Frühlingseuphorie –  stattdessen wache ich mit einem ganz schweren Herzen und zunehmender Angst auf (und genauso gehe ich abends auch wieder ins Bett). Aber den Kopf in den Sand stecken kann man ja nun auch wieder nicht (obwohl ich das schon ab und zu im Geheimen mache). Trotz des Kummers und der Sorgen (oder gerade deshalb) versuche ich so gut ich kann, die Tage mit viel Schönen und Sinnvollen zu füllen. Wenigstens die beiden Kleinen sollen ihre Unbeschwertheit so lange wie möglich behalten. An was ich auch immer wieder denken muss: All die Hebel, die momentan in der ganzen Welt im Kampf gegen Corona in Bewegung gesetzt werden, sollten wir ganz, ganz bald auch in Anbetracht des Klimawandels betätigen. Und noch so viel mehr. Ich denke da z.B. an die Pflegekräfte…Wir haben`s vergleichsweise gut, verbringen unsere Zeit zu Hause (während viele andere auf der ganzen Welt Unbeschreibliches leisten).


Momentan stehen wir nicht ganz so früh auf wie zu Schulzeiten, starten gemütlich in den Tag, trinken unseren Tee im großen Familienbett (ich bin gerade so froh, dass wir dort noch zu viert schlafen) und spielen zwischen Teebechern, Marmeladenbroten, Leogobauten, sauren Gurken (gestern) und weichen Fellen gleich am Morgen eine erste Runde Mühle (meine Buben sind gerade ganz verrückt nach diesem Spiel und gewinnen inzwischen fast immer gegen mich). Die Schulaufgaben, die unsere Kinder seit dieser Woche per Email von ihren Lehrern bekommen, verteilen wir den Tag über in mehrere
Häppchen, die Spielzeit dazwischen wird sehr genossen (vor allem, wenn die Sonne so schön lacht, wie die letzten Tage) und ich versuche, währenddessen ein bisschen zu arbeiten (und den Haushalt zu schmeißen). Ich ahne und kann gut nachempfinden, wie schwer es für viele Eltern wohl gerade ist, Kinderbetreuung, Schulaufgaben und Arbeit zu Hause unter einen Hut zu bekommen. Und all das in dieser gedrückten Stimmung.


Eine der Hausaufgaben, die die Klassenlehrerin unseren Viertklässlern aufgab: ein Tagebuch schreiben – das gefällt mir richtig gut! Ich nahm diese schöne Idee gleich zum Anlass, unser aktuelles Bienenprojekt dafür in den Mittelpunkt zu rücken. Noch hoffe ich nämlich, im Frühsommer ein zweites Bienenvolk in unseren Garten einladen zu können – sozusagen als nette Nachbarn zu unserer Salomé. Das neue Bienenhaus (dieses Mal eine Mellifera Einraumbeute) steht längst bereit (nämlich seit Wochen mitten im Wohnzimmer), muss aber noch fertig eingerichtet und lasiert werden (heute kommt wohl die bestellte Lasur).
Natürlich wollten wir auch die Wildbienen im Garten nicht vergessen – es wird also in nächster Zeit viel zu beobachten und zu tun geben. Unsere gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen werden täglich vom eigenen Blickwinkel aus in die Tagebücher geschrieben und gemalt, so mal der aktuelle Plan. Ich glaube, die Buben werden später viel Freude am Lesen ihrer Erinnerungen haben. Und wieder einmal war ich froh über die gesammelten bunten Aquarellbilder meiner Kinder – gestern gestalteten wir mit zweien davon die Einbände für`s Tagebuch.

Der erste Tagebucheintrag beschrieb eine Beobachtung vorgestern im Garten – unsere Mahonie blüht gerade so üppig und lockt mit ihrem süßen Duft allerlei Bienenarten an – nicht nur unsere Honigbienen naschen an den gelben Blüten, auch Blaue Holzbienen und Mauerbienen entdeckten wir friedlich nebeneinander schmausen.

Die Blaue Holzbiene dürfen wir schon lange in unserem etwas wilden und unaufgeräumten Garten beobachten. Manchen Dorfbewohnern ist unser Garten wohl so etwas wie ein Dorn im Auge, für viele Tierchen ist er dafür eine kleine Oase. Wir haben wirklich viele Tiere zu Besuch, neben den Igeln dürfen wir täglich allerlei Vögel beobachten, einige nisten sogar bei uns, auch Feldwespen hatten voriges Jahr ein Nest am Dach und Blaue Holzbienen leben schon einige Jahre in unserem etwas unansehnlichen Holzstapel, der offensichtlich zu einem richtigen Totholz-Biotop mutierte.

Wildbienen wie dieser Mauerbiene hier (hat sie nicht einen wunderhübschen Leuchtpopo?), zauberten wir eine niedliche Behausung, bzw. vielmehr eine Wiegenstube für den Wildbienen-Nachwuchs:

Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose selber machen

Na, ist das nicht eine süße Wildbienen-Nisthilfe? Unten beschreibe ich, wie`s gemacht wird!

Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose selber machenWildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose selber machen Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose selber machen

  Diese Materialien werden gebraucht:

  • eine leere (große) Konservendose
  • Bruthülsen mit unters. Durchmesser wie z.B. Schilf, Bambus, Naturstohhalme o.ä. (auch gemischt)
  • wetterfeste Bastelfarbe (Acrylfarbe) in Gelb und Braun
  • fester Draht
  • Pinsel
  • Handsäge mit feinen Zähnen
  • Pfeifenreiniger oder Strohhalm-Bürstchen (die liegen oftmals Strohhalmen aus Glas oder Edelstahl bei
  • feines Schleifpapier
  • Masking Tape oder Malerkrepp
  •  

Und so wird`s gemacht:

Die Bruthülsen erst mal in etwa auf Dosenhöhe kürzen (hängt das Insektenhotel an einem vor Regen geschützten Ort, können die Halme auch ein klein wenig überstehen). Obacht: Bambushalme oder Schilf vor dem Kürzen über Nacht in Wasser einweichen, so lassen sie sich leichter sägen, ohne zu splittern – Naturstrohhalme können auch mit einer scharfen Schere geschnitten werden. An die Stellen, an denen später die Flügel befestigt werden, zwei dünne Löcher mit Hilfe einer Schraube und einem Hämmerchen in die Konservendose klopfen (ich drückte die entstandenen Dellen von innen mit einem Kochlöffel wieder heraus 😉 Die Dose außen mit feinem Schleifpapier anschleifen, so haftet die Farbe besser (ich weiß, wovon ich spreche!!!). Dann erst einmal die ganze Dose außen mit gelber Farbe bepinseln, gut trocknen lassen (auch diesbezüglich weiß ich Bescheid und höre in Zukunft wohl doch manchmal besser auf die Ratschläge meines Mannes)), erst dann eine zweite Farbschicht auftragen. Am nächsten Tag rund herum Streifen mit Masking Tape, bzw. mit nicht zu sehr haftendem Malerkrepp abkleben (stark haftendes Klebeband könnte die Farbe wieder ablösen – Masking Tape ist meine Erfahrung nach etwas weniger problematisch, was das betrifft. Ich nahm zuerst super gut klebendes Malerkrepp und hatte anschließend einen prächtigen Wutanfall). Die Zwischenräume mit brauner Farbe ausmalen, wieder gut trocknen lassen, dann eine zweite Farbschicht auftragen. Nachdem die Farbe völlig trocken ist, das Klebeband vorsichtig abziehen und schon trägt die Dose einen lustigen Bienenanzug. Auf den Dosenboden wird nun ein lustiges Gesicht gemalt. Aus vier zurecht geschnittenen Drahtstücken (zwei etwas kürzere, zwei etwas längere) Schleifen in Form von Flügeln biegen, jeweils eine der kleinen und großen Schlaufe an den Ende etwas zusammen zwirbeln und durch die beiden Löcher in der Dose ziehen, außen und innen gegeneinander verdrehen, sodass die Flügel fixiert werden. Endspurt – nun die Halme (am besten dünne und dickere gemischt) dicht an dicht in die Dose füllen, ggf. hier und da mit dünnen Halmen auffüllen. Die Halme sollten wirklich sehr eng beieinander liegen, ansonsten werden sie gerne von Meisen wieder heraus gezogen (→ Meischen sind total schlau – sie merken nämlich bald, dass sie in den Bruthülsen eine Leckerei finden. Meine Tochter meinte dazu nur: Meisen-Sushi). Zur Sicherheit könnte etwas Gips in den Dosenboden gegossen werden, bevor man die Bruthülsen einfüllt, dann sitzen die Halme wirklich fest und sicher.
Das Innere der Halme mit einem Pfeifenputzer oder Strohhalm-Bürstchen ausputzen und raue Schnittkanten mit feinem Sandpapier glätten, damit die Flügel der Wildbienen keinen Schaden nehmen.
Um so eine Nisthilfe aufzuhängen oder aufzustellen, braucht es nicht unbedingt einen Garten, ein Balkon oder eine Fensterbank tun`s auch. Die Nisthilfe sollte nach Möglichkeit an einen vor Regen und Wind geschützten Ort gestellt oder gehängt werden – eine überdachte Hauswand wäre ideal. Die Öffnungen der Halme sollen möglichst in Richtung Süd-Osten zeigen. 

Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose selber machenWildbienen-Nisthilfe selber machenWildbienen-Nisthilfe selber machenWildbienen-Nisthilfe Wildbienen-NisthilfeWildbienen-Nisthilfe

Bruthülsen wie Schilf oder Bambus gibt es meist in Baumärkten, können aber auch in diversen Online-Shops bestellt werden (was in Zeiten von Corona vielleicht die bessere Lösung wäre, bleibt lieber so oft es geht zu Hause). Für eine große Konservendose werden je nach Durchmesser der Halme ca. 150-300 Schilf-/Bambushülsen benötigt. Naturstrohhalme bekommt man mit etwas Glück in manchen Drogerien oder auch im Bio-Supermarkt (falls ihr ohnehin einkaufen müsst, schaut mal danach). Wir nahmen mangels an spontaner Auswahl einfach nur Schilfröhrchen in unterschiedlichen Stärken (je nach Wildbienenart werden dünnere oder dickere bevorzugt – so findet letztlich aber jedes Bienchen, was es mag oder braucht). Beim NABU findet Ihr übrigens weitere nützliche Infos zu Nisthilfen und vielem mehr.
Die nächsten Tage mag ich euch gerne ein paar wirklich tolle Bücher vorstellen, die mich und die Kinder in Bezug auf die Bienen begleiten (die nicht nur für Bienenhalter interessant sind!!!).

Guckt mal, kaum war unsere Wildbienen-Nisthilfe draußen aufgestellt, kam auch schon das erste Mauerbienchen angeflogen ♥
Ich kann euch sagen – das ist gerade der weltbeste analoge Fernseher!

Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose mit Schilf und Bambus Wildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose mit Schilf und BambusWildbienen-Nisthilfe aus einer Konservendose mit Schilf und Bambus

Viel Freude beim Nacharbeiten – achtet gut auf euch und andere,

Michèle ♥

*Dieser Blogbeitrag enthält Verknüpfungen (dunkel hervor gehobene Textstellen). Erwähnungen, persönliche Empfehlungen & Verknüpfungen in diesem Blogbeitrag sind freiwillig und beinhalten weder beauftragte noch honorierte Werbung!