In Bienentagebuch

Oxalsäure-Behandlung bei den Bienchen

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Mein erster Bienen-Winter ist gekommen und mit ihm auch eine erste Erfahrung mit der Oxalsäure-Behandlung gegen die Varroamilbe – heute war es soweit. Für mich als noch immer frisch gebackene Imkerin eine aufregende und auch sehr unliebsame Angelegenheit – einerseits ist mir bewusst (bzw. wird behauptet*), dass ein Bienenvolk ohne eine solche Behandlung keine Überlebenschancen hat (es besteht in Deutschland eine gesetzliche Behandlungspflicht – auch, um andere/umliegende Bienenvölker zu schützen), andererseits sind diese Säurebehandlungen für die Bienen alles andere als angenehm, ganz im Gegenteil. Ich hoffe so sehr, dass es irgendwann schonendere Möglichkeiten gibt oder aber (noch besser), dass unsere Honigbienen im Laufe der Zeit lernen, sich selbst gegen die Varroamilbe zu wehren, bzw. diese Parasiten zu tolerieren und mit ihnen leben können, ohne Schaden zu nehmen. Es gibt dazu sehr interessante und hoffnungsvolle Erfahrungen alternativ arbeitender Imker und *Berichte dazu.
Ich glaube fest daran, dass eine wesensgemäße Bienenhaltung, wie sie beispielsweise von Mellifera vertreten und gelehrt wird, die besten Chancen für solche Toleranzen bietet (s.a. demeter-Richtlinien). Ich bin sehr, sehr neugierig und mein Bauchgefühl sagt mir laut und deutlich, dass eine konventionelle Bienenhaltung der Gesundung unserer Bienen im Weg steht! Irgendwann, wenn ich etwas mehr Zeit finde, berichte ich von meinem Imkerkurs bei Mellifera in der Fischermühle. Diese Tage dort waren nicht nur lehrreich, sondern auch eine unsagbare Bereicherung für mich. Wenn ich mich mit konventionellen Imkern unterhalte, die schnurstracks ihren Weg gehen, ganz genau so, wie sie ihn teilweise schon seit Jahrzehnten gehen, dann fällt es mir nicht immer leicht, mit Worten dagegen zu halten. Aber ich für mich weiß ganz genau, dass ich es anders handhaben möchte (bei mir gibt`s halt eine Art Waldorfbienengarten). Bienen sind ganz und gar faszinierende Wesen und es ist wundervoll, von ihnen lernen zu dürfen.

Kurze Erklärung zur Varroa: Die Varroa ist eine Milbenart, wurde Mitte der 70er-Jahre aus Asien nach Europa eingeschleppt und schadet unseren Honigbienen seitdem sehr (man darf jedoch nicht vergessen: wir Menschen schaden den Bienen und anderen Insekten und Tierarten mit unserer Lebensart, bzw. mit der Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, ebenso….). Varroamilben schwächen ganze Bienenvölker, übertragen diverse Viren, im schlimmsten Fall (leider nicht selten) stirbt ein belastetes Volk (vor allem, wenn die Bienen zusätzlich mit Insektiziden wie Neonicotinoiden zu kämpfen haben).
Während der brutfreien Phase der Bienenvolkes im Winter (ca. drei Wochen nach dem ersten Frost), findet die sogenannte Restentmilbung mit Oxalsäure statt. Im Sommer werden die Völker meist mit Ameisensäure behandelt (mein Blogbeitrag dazu folgt) mit Milchsäure und anderen Behandlungsmethoden habe ich bisher noch keine Erfahrung. Momentan halte ich mich zum einen an die Empfehlungen von Mellifera, zum anderen an die gesetzlichen Vorgaben.

Oxalsäure-Behandlung, Bienenkiste, Varroa

In meinem Kalender war diese Woche als möglicher Beginn der Oxalsäure-Behandlung markiert und je näher das Datum rückte, desto mulmiger wurde mir (das rührt wohl vielmehr daher, dass ich so emotional mit meinen Bienchen verbunden bin, als dass ich noch zu wenig Routine habe). Am Samstag fuhr ich zum örtlichen Bioland-Imker, um Bienenwachskerzen, die der Imker seit vielen Jahren in seiner himmlisch duftenden Werkstatt selbst zieht, für die Adventszeit zu besorgen – ich packte die Gelegenheit beim Schopf und sprach ihn auf die Oxalsäure-Behandlung und meine damit verbundene Unsicherheit an. Er bot mir netterweise an, ihn die kommenden Tage bei der Behandlung einiger seiner Völker zu begleiten, um ihm dabei über die Schulter zu gucken (in seinem Kalender hatte wohl dieselbe Seite wie bei mir ein Eselsohr…). Den Termin musste ich gestern kurzfristig leider doch wieder absagen, weil ich zwei kranke Kinder hüte. Der Imker war aber so freundlich und bot mir an, heute in aller Frühe zu uns zu kommen, um mir zu helfen, bzw. behandelte er mein Bienenvolk einfach ratzfatz selbst – ich bin ihm ziemlich dankbar für diese Art von Erste Hilfe. Durch seine langjährige Erfahrung und Routine als Imker (wenn ich mich recht erinnere, hat er über 300 Bienenvölker) war er in wenigen Minuten fertig (was bei diesen Temperaturen natürlich auch sinnvoll, bzw. nötig ist). Bis auf die säurefesten Handschuhe und Brille trug er während der Behandlung keinerlei Schutzkleidung, dafür waren Kopf, Nacken und Bart schon sehr bald mit reichlich Bienchen verziert- so sieht ein richtiger Bienenvater aus! Ich stand die ganze Zeit über furchtbar aufgeregt mit Herzklopfen daneben und schaute staunend zu (und machte sage und schreibe drei Fotos).

Oxalsäure-Behandlung, Bienenkiste, Varroa

Nach dem Öffnen der Bienenkiste packte mich wieder einmal die Ehrfurcht, als ich die Bienen samt ihrem wunderschönen Naturwabenbau zu Gesicht bekam (die Bienenkiste ist hier auf den Bildern umgedreht, also auf den Kopf gestellt zu sehen – der Deckel, bzw. der Boden kann komplett abgenommen werden und man bekommt auf diese Weise einen faszinierenden Einblick gewährt). Ich stellte mir den Anblick anders vor, rechnete nicht damit, dass ich so viele Bienen sehen würde, sondern ging eher davon aus, dass die Bienen mehr oder weniger versteckt zwischen ihren Waben in einer Wintertraube sitzen würden. Ich hätte niemals gedacht, dass das Volk zu dieser Zeit noch so groß ist. Und diese wunderschönen Naturwaben – die Bienen bauten in den vergangenen Monate den vorderen Raum beinahe vollständig aus. Was für ein großartiges Bauwerk… 
„Schön sehen sie aus, wirklich schön sehen sie aus„, sagte der Imker nebenbei über meine Bienchen und ich war beinahe (oder ohne beinahe?!!) ein bisschen so stolz wie damals vor vielen Jahren, als ich mit meinen Kindern bei den ersten Vorsorge-Untersuchungen war und unsere Kinderärztin mich am Ende ihrer Begutachtung zufrieden anlächelte und sagte, dass alles gut sei. Naja, schließlich bin ich jetzt ja auch sowas wie eine Bienenmutter, stimmt`s? 

Klirrend kalt war es heute Früh, nach dem Aufstehen durfte ich die ersten Eisblumen am Dachfenster im Schlafzimmer bewundern. Trotz der Minusgrade flogen beim Öffnen der Beute ziemlich viele aufgeschreckte Bienen hinaus in die eiskalte Winterluft – und obwohl die Winterbienen ein Pelzchen tragen, ist es draußen natürlich dennoch viel zu kalt für sie. Bei solchen Temperaturen fallen Bienen fast augenblicklich in Kältestarre und würden innerhalb kurzer Zeit sterben, kämen sie nicht sogleich zurück ins Warme. Geschwind sammelten wir alle Bienen, die wir nur finden konnten ein. Auf dem Bild unten sind unsere Eisbärchen zu sehen – wie mausetot liegen sie da, hm? Kaum zu glauben, aber mit meinem warmem Atemhauch (was einem in solchen Momenten als Bienenmutter halt so einfällt…) tauten sie tatsächlich wieder auf, das war so, so schön zu beobachten. Mein Mann setzte unsere reanimierten Bienen schnell ans Flugloch, schubste sie ein bisschen mit dem weichen Bienenbeselchen und schon krabbelten sie noch etwas benommen und behäbig zu ihren Schwestern und ihrer Königin zurück ins warme Nest.
Alle Bienchen konnten wir wohl nicht finden, das sahen wir erst, als wir wieder im Haus waren und vom Fenster aus sahen, dass sich plötzlich viele, viele Meischen um die Bienenkiste herum sammelten. Sie freuten sich ganz offensichtlich über das unverhoffte Festmahl und das fanden wir dann auch sehr nett ♥

Oxalsäure-Behandlung, Bienenkiste, Varroa

Was für eine Aufregung heute – bei den Bienchen wohl kaum weniger als bei mir. Nun will ich mal hoffen, dass sie gut über den Winter kommen!

Herzliche Dezembergrüße,

Michèle ♥

*Dieser Blogbeitrag enthält Verknüpfungen (dunkel hervor gehobene Textstellen).
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