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In Alltagsgeschichten

unter meinem Hut

Momentan bin ich wieder einmal mehr als dankbar über meine kleine aber feine berufliche Selbständigkeit, die es mir ermöglicht, mich ohne Druck und Drängelei um meine Kinder kümmern zu dürfen, wenn einmal eines krank ist und das, solange es nötig und mir lieb ist, ich weiß dieses Glück (was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte) wirklich sehr zu schätzen. Es ist zwar auch für mich nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, mein Hut ist zum Glück allerdings meist doch groß genug, sodass die wichtigsten Dinge (meistens jedenfalls) darunter Platz finden.

Nein, es ist natürlich keinesfalls so, dass ich es „genieße„, wenn meine Kinder krank sind, andererseits empfinde ich diese Zeiten als sehr besonders und wertvoll. In Krankheitsphasen entsteht oft eine ganz eigene Weise von Geborgenheit und Nähe – Kümmern und Zuwendung tun nicht nur meinem Kind gut, sondern auch mir als Mama.

Seit mehr als 20 Jahren werden wir von unserer anthroposophischen Kinderärztin betreut, der es immer ein großes Herzensanliegen war (und ist), eine Erkrankung nicht einfach mit Medikamenten zu unterdrücken/beseitigen, sondern diese und das kranke Kind stattdessen achtsam, geduldig und liebevoll zu begleiten. Wie viel ich von ihr gelernt habe und wie viel Vertrauen und Sicherheit sie mir in all den Jahren mit auf meinen Weg gegeben hat… Ich brauche inzwischen nicht mehr ganz so oft die Hilfe oder den Rat unserer Kinderärztin, man sammelt in den Jahren des Mamaseins ja doch reichhaltige Erfahrungen im Umgang mit kranken Kindern – die letzten Wochen war ich aber gleich drei Mal in der Kinderarztpraxis, das will etwas heißen 😉
Ein guter Kinderarzt, zu dem man Vertrauen hat, gehört für mich als Mutter zu den allerallerwichtigsten Begleitern in der Familienzeit (weswegen wir auch gerne ein gutes Stückchen Weg zur Kinderarztpraxis auf uns nehmen).

Auf dem kleinen Tisch neben dem Eisenbettchen im Wohnzimmer stehen derzeit nicht nur Gläschen mit den ersten Frühlingsboten aus dem Garten, hier liegen auch die Utensilien für den wärmenden Cuprum-Wickel bereit, den ich meinem Hustebärchen vor dem Schlafengehen auflege – danach lesen wir eins meiner Lieblingskindergedichte von Christian Morgenstern, bevor es huschhusch ins Bettchen geht

 

Die Weidenkätzchen

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grüner Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt!

Wollens gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.

In dem dürren Baume,
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
in dem Holz, dem harten,
war, ihr Weichen, Zarten,
euer Nachtquartier?

Musst dich recht besinnen;
was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen lässt.

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt

KupferwärmflaschenChristian Morgenstern Weidenkätzchen

 

Ein paar allerletzte Arbeiten für das Buch Was wir lieben (acufactum | Daniela Drescher) stehen in den kommenden Tagen noch an, dann mag ich mir unbedingt ein klitzekleines Päuschen gönnen (bzw. nachdem ich die ein oder andere liegen gebliebene Arbeit an mich genommen habe) und versuchen, mir all die Dinge zu Herzen und zur Hand zu nehmen, die ich schon länger im Stillen mit mir herum trage: Kleine Dinge von Hand auf Kleidungsstücke sticken. Ein Mützchen für ein Baby stricken, das bald zur Welt kommt. Unser Schlafzimmer im Dachboden einrichten. Mit meiner Freundin zusammen frühstücken. Mit meiner anderen Freundin zusammen nähen. Frühlingsjacken für die Kinder nähen und ein Kleid für mich. Auch meine Website soll ein neues Kleid bekommen. Und, und, und,…

P.S.: Mein Emailpostfach ist momentan leider sehr, sehr voll – es tut mir leid, wenn ich das Beantworten momentan wieder ein bisschen aufschieben muss. Neben krankem Kind, Arbeit und Haushalt (so die derzeitige Reihenfolge) bleibt zu wenig Zeit, um den Blick und die Hände überall zu haben (→ die Sache mit dem Hut. Momentan ist mein Hütchen tatsächlich randvoll).

Wie immer sind hervorgehobene Textstellen mit Links versehen. Beim Anklicken öffnet sich ein separates Fenster mit weiteren Infos (manchmal zu Seiten innerhalb meiner Website, teilweise auch auf externe).
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Herzlichst,

Michèle ♥

Profilbild, Michèle Brunnmeier, Fotograf, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg